Ro Theater

The Ro Theater is one of the three largest Dutch theatre companies, firmly rooted in its home city of Rotterdam, with a permanent ensemble and an innovative repertoire for large and medium-sized theatres. The company presents a modern and varied repertoire by a range of theatre makers for different audience groups. The artistic director of the Ro Theater is Alize Zandwijk. The actors of the ensemble, the designers and other directors all make important contributions to the identity and the recognition of the company.

In Rotterdam, the Ro Theater forms an integral part of the city’s cultural identity, giving performances in the Rotterdamse Schouwburg, in its own theatre and on tour. The company’s own theatre is its creative home base. The public is welcome there on a regular basis; for performances and presentations, and for Warehouse of Happiness – the meeting place for inquisitive fellow citizens. Abroad, the Ro Theater is perceived as an important ambassador of Dutch theatre.

http://rotheater.nl/

https://vimeo.com/16724154

 

 

 

Peeping Tom – Moeder

Moeder (Mother) is the second volume of a trilogy that opened with Vader (Father) in 2014, directed by Franck Chartier, and will close in 2019 with Kind (Child). In Moeder Gabriela Carrizo is directing. The world première took place on 29 September 2016 in Theater im Pfalzbau (Ludwigshafen, DE). Since then, Moeder has been touring extensively throughout Europe.

„Following the seclusion of a senile mind in a retirement home in Vader (Franck Chartier), choreographer Gabriela Carrizo shows in Moeder the body as a storehouse, in which a multitude of conscious and unconscious recollections merge, collide, and define who we are. The work creates unexpected connections that thread the boundary between suffering, mourning, and celebrating, between holding on or letting go, structure and madness. Here, life and death can be art, showcased for all to see. Out of the flux of the individual memories of the director and performers – the matrix of the piece – a universal and collective memory shines through. And this memory triggers disturbing reflections on the meaning and responsibilities of being a woman, a mother, a parent.“

Read the full text by Lieve Dierckx and Sébastien Parizel on Moeder.

In Moeder, Peeping Tom explores the theme and central figure, memory and the mother, with the same tender and sardonic eye that runs through all of its productions. At once funny and eerie; Moeder is disturbing, yet strangely familiar: we recognise in it the same fascination with the sense that the world is too much for us, the same amused gaze at our faltering attempts to make it fit our notions.

„Moeder is not about a mother, but about several mothers. We talk about motherhood, absence, lack. The play searches the memory and the subconscious to reveal what the mother carries as desires, fears, sufferings or violence. For this piece, I wanted a set design that could represent several spaces, like the multiplicity of mothers. The action takes place in a museum, but can also be seen as a private exhibit space, where family pictures and photos are displayed.“

knappes protokoll des rancière-abends

knappe zusammenfassung des gesprächs im hygienemuseum in textform. die übersetzung hat an sich schon relativ viel ‚gefressen‘, meine notizen sicher auch. zum kurzen nachlesen reicht es dennoch!

Jaques Rancière
Im Gespräch mit Patrick Beck über ‚Die Aufteilung des Sinnlichen’

Hygienemuseum 22.10.2015

Patrick Beck: In der ‚Aisthesis’ (Rancières jüngster Veröffentlichung) sprechen Sie vom ‚Gewebe sinnlicher Erfahrung’. Was ist für Sie das sinnliche Gewebe?

Jaques Rancière (in Übersetzung): Wenn Hegel sagt ‚Es gibt keine Kunst(werke) an sich.’, dann meint er damit, dass ein Kunstwerk erst durch Wahrnehmung, sinnliche Erfahrung zu Kunst erhoben werden kann. Das heißt, dass die Grenzen zwischen Kunstwerken und der Realität sich auflösen.

Der Betrachter überträgt die sinnliche Erfahrung von Kunst in seine eigene sinnliche Erfahrung(swelt).
Ich stelle meinen Kapiteln Texte voran, die nicht einfach nur beschreiben, sondern in denen das Visuelle im Wort liegt, auch sie fügen sich in Sinneserfahrung.

P.B.: Sie etablieren den Begriff des ästhetischen Regimes (neben Wahrnehmungs- und Denkregime). Verstehen Sie dieses als Herrschaft der Kunst?

J.R.: Unter Regime versteht man gemeinhin a) Regentschaft, Normenherrschaft, b) eine Organisationsform, die man im Deutschen eher als System bezeichnen würde. Wenn Foucault vom Wahrnehmungssystem spricht, mein er damit, dass nicht das Ding schon Kunst an sich ist, sondern dass erst die Wahrnehmung Kunst macht. Es geht also um Bezüge.

P.B.: Warum legen Sie in ‚Aisthesis’ den Fokus auf Bühnenwerke?

J.R.: Allgemein habe ich keine Quotenregelung beachtet, ich habe mich auf Künste und Werke bezogen, die aus dem Rahmen fallen, auf Kunst, die aus gegenseitiger Durchdringung entsteht. Ein Beispiel dafür ist Videokunst der 1980er, in der die Technik selbst Kunst wird. Ich behandle oft Ereignisse, in denen sich etwas als Kunst offenbart, das es vorher nicht war.

Ich habe theatralische Beispiele gewählt, weil Theater Zerstreuung ist. Es teilt sich in Darsteller und Publikum (lat. Volksversammlung), das jetzt Zerstreuung sucht und daher ins Theater geht. Ein Beispiel für den Grenzgang Kunst / Nicht-Kunst ist die Pantomime, die in der Darstellung ‚vulgär’ ist, in der Alltägliches/Banales zu Kunst wird. Theater ist immer auch Experiment.

P.B.: Gibt es für Sie dann Dinge, die nicht Kunst sind?

J.R.: Nichts kann nicht Kunst sein/werden. Nehmen Sie beispielsweise die Medienberichterstattung. Godard gibt als Beispiel über Dokumentation: Israel marschiert nach Palästina ein. Die Medien berichten dann nicht über die Israelis, sondern über die Palästinenser. Was ist dann Realität, was ist es nicht? Nicht nur Kunst, auch die Medien inszenieren und alles findet statt im Raum der sinnlichen Wahrnehmbarkeit.

P.B.: Sie sprechen davon, dass die soziale Revolution nur auf eine ästhetische folgen kann.

J.R.: Hegel, der junge Marx und Schiller (ästhetische Erziehung) haben einen erstaunlich ähnlichen Ansatz zu diesem Thema. Sie alle sprechen sich für eine Revolution aus, die über die politische Revolution hinausgeht, die den Menschen betrifft. Es geht ihnen um eine menschliche Revolution, um neue Lebensentwürfe. Der junge Marx spricht von der ästhetischen (absoluten) Revolution, von ästhetischen Gedanken, Er meint nicht Kunst, er meint Revolution und Gedanken den Menschen betreffend.

P.B.: Die doppelte Logik des Systems ist, dass Kapital frei zirkulieren darf, Menschen aber nicht. Wie ist das Spannungsverhältnis zu lösen?

J.R.: Während in Europa freier Waren- und Personenverkehr besteht, ist weltweit nur freier Warenverkehr erlaubt. In ‚Das Unvernehmen’ charakterisiere ich das Volk als anonyme, versammelte Menschen, als ‚Nicht-Beteiligte’. Die Integration der Ausgegrenzten gelingt nicht, weil das Volk die Ausgegrenzten nicht empfangen will. Auch nicht an den Grenzen Europa.

23.10.2015

P.B.: Gleichheit der Menschen ist für Sie Vorraussetzung. Was ist Gleichheit?

J.R.: Gleichheit ist Emanzipationskonzept. Anhand des Lehrer- Schülerverhältnisses lässt sich erkennen, dass um Gleichheit zu erlangen (Schüler hat von Lehrer alles erlernt, steht auf gleicher Ebene), erst Ungleichheit eingeführt wird. Ungleichheit ist Ursprung allen Leidens. Gleichheit sollte nicht Ziel, sie sollte Ausgangspunkt aller Politik sein.

P.B.: Sie schrieben ‚Der Hass der Demokratie’. Wie würden Sie demokratische Gesellschaft gestalten?

J.R.: Demokratie ist Volksgemeinschaft (demos – Volk), in der alle gleichermaßen Anspruch auf Herrschaft haben. Wir leben eher in einer Oligarchie, in der diejenigen, die viel wissen, herrschen. Platons Republik z.B., in der er von der Erziehung des Volkes (als Corpus) spricht, ähnelt der französischen Republik. Es gibt eine gewisse Exklusivität der Wissenden, das, was von außen kommt, würde diese ‚Leitkultur’ gefährden.

Publikumsfrage: Wie funktioniert dieses Nachdenken/Sprechen über Kunst, wenn erst Reflexion Kunst ausmacht. Wie muss dieser Diskurs beschaffen sein?

J.R.: Das Gegenteil des ästhetischen Regimes ist ein repräsentatives, mimetisches System, in dem Kunstregeln eingehalten werden, nach denen man Kunst beurteilen und verstehen kann. Im ästhetischen System hingegen sollte die Kunstfertigkeit im Fokus stehen, also das, was geschieht. Im 19 Jhd. beginnen Schriftsteller Kunstwerke nicht mehr nach diesen Normen zu beurteilen, sondern Malerei als Performance, Ereignis, Darbietung aufzufassen. Der Diskurs sollte also nicht über Kunstregeln gehalten werden, sondern über das, was geschieht.