alain platel / tauberbach in dresden

Exkursion am 19.6.2015 / Schauspielhaus Dresden

Regie und Konzept: Alain Plateltauberbach

Eine Koproduktion von Les Ballets C de la B, Münchner Kammerspiele und NT Gent zusammen mit Theatre National de Chaillot (Paris), Opéra Lille, KVS Brüssel, TorinoDanza und La Batie, Genf. Mit Unterstützung der Flämischen Regierung, der Stadt Gent, Provinz Ostflandern.

„Spektakel ohne Gesellschaft“. Zu einem gesellschaftlichen Gebrauch von Kunst und Denken (G. Debord, G. Agamben, W. Benjamin)

Seminar Dr. Milena Massalongo:

Das „Spektakel ohne Gesellschaft“. Zu einem gesellschaftlichen Gebrauch von Kunst und Denken (G. Debord, G. Agamben, W. Benjamin)
Von Guy Debord stammt die oft zitierte wenn auch vielleicht nicht immer ebenso tief verstandene Definition von unserer Zeit als einer „Gesellschaft des verallgemeinerten Spektakels“. Der Begriff bezog sich nicht auf das überwältigende Massenmedienspektakel, eher auf die Art und Weise, in der an einem persönlichen Erfahren und Wirken durch eine niemals so totalitär produzierte Passivität radikal verhindert wird. In diesem Sinne könnte vielleicht Debords Formel so zugespitzt werden: wir leben in einem Spektakel ohne gesellschaftliche Dimension, d.h. ohne das, was Marx mehrmals als ein „gegenseitiges Aufeinanderwirken“ definiert hat. Eine der Hauptgefahren dieses Zustands lässt sich darin erkennen, dass jeder kritische Versuch, jede „Arbeit an der Differenz“ (Heiner Müller), auf welchem Gebiet auch immer, schon immer auf seinen eigenen Spektakelwert reduziert wird. Sobald kritische Versuche sich mitteilen, und sie müssen sich mitteilen, wenn sie überhaupt wirken wollen, werden sie durch dies allgemeine Medium, das alle andere Medien in Schach hält, vereitelt. Und zwar scheint viel des zeitgenössischen philosophischen, ästhetisch-politischen Denkens über die Wiederholung dieses Begriffs und des dadurch beschriebenen Phänomens nicht hinausgehen zu können, egal ob man auf ihn als auf ein letztes Wort über den realen Zustand der Gegenwart zurückgreift oder man ihm in politischen oder künstlerischen „Events“ zu widerstreben versucht. Die Kritik reproduziert das Spektakel weiter oder, wie schon Brecht aus einer davon nicht so entfernten Perspektive sagte, „das Theater theatert alles ein“. Das Seminar versteht sich als einen Versuch, diesen schon lange zu einem Gemeinplatz gewordenen Spektakel-Begriff konkret zu verstehen und im Lichte der Gegenwart zu kritisieren, indem wir uns auch mit einigen Vorschlägen direkt auseinanderzusetzen, die gemacht worden sind, um einer „Ästhetisierung des Gesellschaftlichen“ zu „unterbrechen“ oder ihr entgegenzuwirken. Wir diskutieren entscheidende Kurztexte von G. Debord, G. Agamben, W. Benjamin, Michel Foucault u.a., dazu auch Exzerpte aus Werken von Schriftstellern und Dramatikern (Brecht, P.P. Pasolini, H. Müller u.a.).
Bibliographie:
– Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels, Edition Tiamat, Berlin 1996.
– Giorgio Agamben, Marginalien zu den „Kommentaren zur Gesellschaft des Spektakels“, in: Mittel ohne Zweck. Noten zur Politik, von Sabine Schulz (Übersetzerin), Diaphanes, Freiburg/Berlin 2001, S. 73-87.
– Giorgio Agamben, Lob der Profanierung, in: Profanierungen, von Marianne Schneider (Übersetzerin), Suhrkamp, Frankfurt/M. 2005, S. 70-91.
– Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Kommentar von Detlev Schöttker, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2007.
Weitere Kurztexte werden ggf. später vorschlagen, ein Handout mit Exzerpten und längeren Zitaten wird einige Zeit vor dem Beginn der Veranstaltung zur Verfügung gestellt.

Für Infos und Fragen kann die Dozentin unter folgender e-mail-Adresse erreicht werden: milena.massalongo@unipd.it

Termine:
20.5. 10-15.45
21.5. 10-15-45
22.5. 10-15
Raum 215